Den Mistral haben wir….

Mittwoch 15.08.2018 Cala Covas Menorca.

……ganz gut abwettern können. Besonders stark war er nicht, aber ich habe einen gehörigen Respekt vor diesem Wind.
Letzte Woche setzten wir von der Isola Piana, bei den Asinara Inseln in NW Sardinien Kurs gen Süden. Davor mussten wir noch durch die enge Fornelli Passage von Ost nach West um die freie Westküste Sardiniens zu erreichen. Etwas aufregend, aber am Ende easy going.

 

Ab jetzt ging es mit hoher Dünung und Richtung Alghero. Vorbei an spektakulären Felsformationen mit riesigen Überhängen und Grotten. Einige Felsen waren so groß wie kleine Inseln. Wir rundeten sie, fanden uns inmitten aufregender und filmreifer Kulisse wieder und mussten an unser Malheur in Korsika denken, wo uns in ähnlicher Situation der Gaszug brach. Wir lassen uns davon aber nicht mehr beeindrucken und passierten die „Grotta di Nettuno“, eine der größten in diese Gegend, ganz nah.


Wir rundetet das Cap Caccia und unser Anker fiel in der schönen und sehr grünen Bucht „Cala del Bollo“. Der Grund war schlecht, wir fuhren mehrere Ankermanöver und akzeptierten schlussendlich einen schlechten Halt. Wie auch immer, am nächsten Morgen waren wir immer noch da, wo wir sein sollten. Nach ausgiebigem Schwimmen ging es nach Alghero.

 

 


Was für eine Stadt und was für ein Zwiespalt! Historisch beeindruckend, pulsierend und mit einer überraschend tollen Altstadt. Trotz allem, mir war es zu viel. Die schiere Menge an Menschen, ein touristischer Overkill – so ging es mir durch den Kopf. Den besten Service mit den freundlichsten Marina-Mitarbeitenden haben wir hier getroffen und doch, die Stadt war mir zu voll.
Der neue Wetterbeicht hatte dann keine guten Nachrichten für unseren Plan. Am nächsten Morgen, Montag, den 13.08.2018, wollten wir die knapp 200 SM nach Menorca segeln. Mistral war vorhergesagt und wir zogen unseren Trip um 12 Stunden vor. Das sollte reichen um unsere beiden Kinder mit dem Mietwagen in Olbia abzuholen, gegen Mitternacht die Leinen zu lösen und rechtzeitig 30 Stunden später auf Menorca anzukommen. Der Plan war gut und ging auf! Am Sonntag um 23.59 Uhr verließen wir die Marina Sant Elmo in Alghero und um 02.35 Uhr am Montag fiel der Anker in der Cala Taulera in Menorca. Leider nur unter Motor, aber ohne Mistral, dass war uns das wichtigste.
Einer der weltweit gefährlichsten Winde ist der Mistral. Er herrscht und wütet ganzjährig vorzugsweise im Löwengolf und er ist bissig. Le Mistral breitet sich aber auch gerne bis zu den Balearen und Korsika/Sardinien aus. Hoher Luftdruck in Nordspanien/ Biskaya/Westfrankreich dazu relativ niedriger Luftdruck in Oberitalien und dem ligurischen Meer, das sind die Zutaten für einen Mistral. Bei einem ausgeprägten Genua-Tief verstärkt sich der Mistral noch einmal und kann bis Sizilien wehen. Der Wind und vor allem die Wellen haben schon viele Yachten nicht an ihrem Ziel ankommen lassen. Sonnenschein, glasklare Luft, eine strahlende Leuchtkraft der Landschaft und ein besonders blaues Meer mit Schaumkronen, das sind die Markenzeichen des Mistrals. Ich habe diesen Wind als junger Windsurfer gesucht, als Segler meide ich Le Mistral, wenn es irgendwie geht.

 

Aufregendes gab es genug bei dieser Überfahrt. Die Perseiden regneten regelrecht in dieser kuhschwarzen Nacht herunter. Besonders in Erinnerung blieb uns ein Tanker kurz vor Menorca, der unseren Kurs kreuzte. Wir fuhren mehrere Ausweichmanöver um ihm nicht zu nahe zu kommen. Schlussendlich passierte er knapp 500 Meter vor dem Bug. Der Tanker war 180 Meter lang und es ist schon furchteinflößend in so einer dunklen Nacht, wo sowieso alles größer erscheint, wie sich diese graue Wand, wie von Geisterhand bewegt, an einem nahezu lautlos mit 13 Knoten vorbei schleicht.
Um 02:10 Uhr am Dienstag, den 14.08. erreichten wir die gut befeuerte Einfahrt zu einem der größten und sichersten Naturhäfen der Welt, Mahon auf Menorca. Nach der ersten grünen Fahrwassertonne bogen wir rechts in die Ankerbucht „Taulera“ ab, in der Hoffnung dort einen sicheren Ankerplatz zu finden. Denn nur dort ist es offiziell erlaubt zu ankern. Die Bucht war voll und es war stockdunkel. Nach einer halben Stunde nahezu lautloser Schleichfahrt glaubten wir einen einigermaßen guten Platz gefunden zu haben. Es war irgendwie gruselig, als es plötzlich rasselte, als ob jemand eine Kette ins Wasser ließ. Schnell merkten wir, dass unsere Backbordschraube unter Wasser eine eben solche berührte und diese Geräusche machte. Ärgerlich – sind diese speziellen-Drehflügelpropeller doch neu! Wo kommt überhaupt unter Wasser diese Kette her? Wir vermuteten eine „abgesoffene“ grüne Fahrwasserboje von denen es zahlreich gab und die die rechte Seite des Fahrwassers begrenzten. Einen wirklichen Schaden konnte ich bisher aber Gott sei dank nicht erkennen. Lediglich oberflächliche Spuren ließen sich beim nächsten Tauchgang ausmachen.
03:30 Uhr, ab ins Bett, so war der Plan. Ich war nicht besonders müde und klönte mit Stephan noch im Cockpit. Als dann doch das Bett rief, dauerte es nicht lange bis wir wieder an Deck standen. Der Wind drehte und die ersten Yachten gingen auf Drift. Ruckzuck schallten Schreie, Pfiffe und Rufe durch die Bucht um die Bewohner der abtreibenden Yachten auf Ihren gefährlichen Zustand aufmerksam zu machen. Dazu donnerte es gewaltig, ein Gewitter zog auf, Blitze zuckten und der Regen prasselte auf das Wasser und auf die Decks der Yachten. Eine irrwitzige Kulisse, optisch wie akustisch, an diesem Morgen in der Bucht von Taulera.

Mahon Steganlage2mp.JPG
Ein schöner Anleger in Mahon.

Nach dem Frühstück versuchte ich ein wenig Schlaf nachzuholen, das war aber irgendwie nicht richtig möglich. Gegen Mittag verholten wir uns ins Innere dieses gewaltigen Naturhafens um Diesel zu bunkern und um eventuell einen Platz in einer der vielen Marinas zu bekommen. Am Ende des Tages lagen wir an einer sogenannten „Isla Flotantes“ vor dem Inselchen del Rey. Ohne Strom, aber mit Wasser, immerhin. Am Abend ging es mit dem Dinghy an den nächsten Anleger und dann ab in die Stadt. Menschenmassen durchsäumten die Gassen, überall spielten kleine Bands und es roch nach Tapas. Wir hatten Hunger und landeten in einem alten überfüllten Fischmarkt und ergatterten wie durch ein Wunder einen Tisch im Freien. Er lag mitten in der Stadt, umgebaut als Tapas-Markt, ähnlich einem Biergarten in München. Es war ein eindrückliches Erlebnis und die Tapas noch gewöhnungsbedürftig. Mal sehen was die nächsten „spanischen Wochen“ noch so kulinarisch bringen, wir sind gespannt. Wieder zurück an Bord, blies der Mistral wieder recht heftig, aber wir lagen sicher. Hundemüde, mit den beiden letzten Nächten noch in den Knochen, fiel ich in einen traumlosen Schlaf. Der Mistral lies nicht locker und zum Frühstück diskutierten wir unser nächstes Tagesziel. Kind und urlaubsgerechte Bedingungen sollten es sein. Die Entscheidung fiel auf die Südküste von Menorca, in eine dieser schönen Buchten mit kristallklarem Wasser. Auslaufen bei abflauenden Winden gegen 13:00 Uhr wurde ausgemacht. Das Ziel, die Cala Covas. Pitoresk, schön gelegen und wir haben noch einen tollen Platz mit Landleine gefunden.

Menorca Isla Aire2mp.JPG
Südosten von Menorca, Ille  de I’Aire.

Ausgiebig baden, schnorcheln, klettern an den Felsen und wieder herunter springen, dass war unser Nachmittagsprogramm.

 

Morgen soll es nach Mallorca weitergehen, denn am Samstagmittag müssen wir in Palma de Mallorca sein. Meine Schwester mit Stephan und David müssen wieder nach Hause fliegen. Wir dürfen bleiben, es wartet kein Flieger auf uns. Unser Schiff ist jetzt unser Zuhause.…noch etwas ungewohnt, aber es fühlt sich gut an (-:


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