Über eine Woche ist es

09.08.2018
nun her, dass wir die Leinen in Lavagna losgeworfen haben. Heute Abend fiel der Anker vor der „Isola Piana“, im NW von Sardinien, in das türkisfarbene Wasser.
Unser letzter Blog endete am 31.07.2018 in der Bucht von Palmeria, was ist seitdem passiert?
Nach einer ruhigen Nacht vor Anker in der Bucht von Palmeria und einem perfekten Frühstück setzten wir die Segel und rauschten mit Vollzeug gen Pisa um meine Schwester Catrin, mit David und Stephan, abzuholen. Es war das erste Mal, dass wir zu zweit mit knapp 8 Knoten unterwegs waren. Der Wind hielt allerdings nicht die ganze Strecke und wir mussten zum Schluss doch noch den Motor anwerfen um die letzten Seemeilen zu überwinden. Gegen 18 Uhr legten wir in der relativ neuen und modernen Marina di Pisa an und wir beeilten uns noch, dass Schiff für unsere Gäste einigermaßen herzurichten bevor es an den Großeinkauf im riesigen Supermarkt neben der Marina ging. Die Hitze an diesem Abend schien unerträglich! Gut 35 Grad aber…..noch besser, dass wir einkaufen mussten! Der Markt war auf angenehme 20C heruntergekühlt so dass wir keine Eile hatten den Supermarkt zu früh zu verlassen. Gänsehaut war garantiert!
Unser Besuch kam pünktlich an, wir klönten im Cockpit noch ein wenig bevor wir versuchten bei diesen außergewöhnlichen Temperaturen einigermaßen zu schlafen. Am 2. August verließen wir die Marina die Pisa Richtung Korsika, genauer gesagt, nach Macinaggio im Norden am Cap Corse. Einer der Plätze, die wir mit unseren Kindern in der Vergangenheit sehr gerne besucht haben. Nach der Hälfte der Strecke unter Motor, stellte sich ein toller Segelwind ein und wir kamen mit rausche Fahrt Cap Corse immer näher. In der Abenddämmerung fiel der Anker auf sandigen und gut haltenden Grund in der Bucht bei Macinaggio.

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Tolle Stimmung, auch unter dem Schiff!

Unsere beiden neuen Volvo Penta D1-30 Motoren hatten an diesem Abend erst 59 Betriebsstunden auf dem Buckel. Mit speziellen Drehflügel-Propellern, von SPW ausgestattet, machte das Segeln noch mehr Spaß, weil die Propeller in der Segel-Stellung weniger Widerstand im Wasser boten als unsere alten Festpropeller. Kein Vorteil ohne Nachteil, …sie waren nicht billig, dafür war das Segeln ein Genuss! So ein Boot zu unterhalten mit „Kleinserientechnik“ ist immer recht spannend, man weiß nie wann das nächste Teil ausfällt, weg korrodiert oder aus einem anderen Grund den Dienst quittiert. Am nächsten Tag war auftanken angesagt, knapp 50 Liter füllten unseren 300 Liter Tank bis oben hin. Der Durst der neuen Motoren hielt sich mit knapp 2 Litern per Stunde in Grenzen. Jetzt ging es vorerst unter Maschine bei Flaute um das gefürchtete Cap Corse, dann stellte sich ein steifer NNO Wind ein und wir hielten Kurs I’Ile Rousse wo gegen Spätnachmittag der Anker fiel. Wir lagen etwas unruhig, da noch Swell in die Bucht stand. Wir überprüften, wie immer vor dem Gang in die Stadt den Anker uns stellten fest, dass der Abnehmer der Ankerwinsch sich verbogen hatte. Das Problem ließ sich relativ schnell wieder durch ein beherztes zurechtbiegen lösen, aber das Problem folgte uns auch auf den nächsten Ankerplätzen. Ursache ist wohl eine nicht perfekt passende Kette zur Kettennuss.
Nach einem schönen Abendessen in der Altstadt von I’Ile Rousse und einem späten Frühstück ging es Ankerauf zu einem der spektakulärsten Plätze auf der Westseite von Korsika, zum Golfe de GIROLATA. Der Segeltörn dorthin bescherte uns phantastischen Wind. Nur das setzen des Parasailors machte uns bei 20 Knoten Wind etwas Probleme, so dass wir das ganze Manöver schlussendlich abbrachen. Der Spinnaker war nicht gut klariert. Zum Glück, den ein paar Minuten später schlug der Wind um und kam genau gegen an. Die Motoren wurden gestartet und wir fuhren ganz nah an die spektakuläre Kulisse, dem Golfo de GIROLATA. Wir wurden immer mutiger und fuhren näher an die vorgelagerten Felsen. Immer engere Radien um die steilen Steine und in einer überdachten Durchfahrt von wenig mehr Breite und Höhe unseres Schiffes verließ mich der Mut und ich fuhr rückwärts wieder heraus und außen herum von der anderen Seite wieder fast zu dem Punkt wo wir vorher waren. Um dann ebenfalls wieder umzukehren. Was für ein riesen Glück im Nachhinein – den just, beim wieder hinausfahren, Stephan steuerte um Fotos von mir und Ellen zu ermöglichen, brach uns der Gaszug der Bb. Maschine! Also im Stand Manövrierunfähig, nur noch in Fahrt war der Katamaran durch die Ruder zu steuern. Das hätte uns 1 Minute vorher noch das Schiff kosten können.

Nach dem ersten Schock war ich erst mal ziemlich sauer auf den Mechaniker der die beiden neuen Motoren eingebaut hat. Sein Auftrag war auch, die Gaszüge und Getriebezüge zu wechseln….! Er hat es definitiv nicht gemacht! Wie auch immer, wir nahmen das schlussendlich gelassen und fuhren in eine der schönsten Buchten mit sehr klaren Wasser und legten den Anker vor dieser wunderbaren Kulisse, der GIROLATA.

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Stimmungsvolle  Ankerbucht in der Girolata!

05. August 2018
Wir gingen spät Ankerauf und verließen diese wunderschöne Gegend um nach Ajaccio zu fahren um uns einen neuen Gaszug zu besorgen. Zu unserer Überraschung bekamen wir einen Liegeplatz in der Marina und der Marinero, der uns beim Anlegen half, wusste schon von unserem Malheur und rief gleich Chris (ein Mechaniker, wahrscheinlich sein Schwager…) an. Es war wohl gut, dass ich schon am Morgen vor der Abfahrt, die Volvo Penta Hotline anrief und um Adressen in Ajaccio bat. Witzigerweise war diese nette und überaus freundliche Mitarbeiterin sowohl für Volvo Penta (also Marine Motoren) als auch für Volvo Trucks zuständig und ich musste Ihr mehrmals erklären, dass ich keinen Truck fahre, sondern einen Katamaran. Wahrscheinlich hat sie fast ausschließlich mit den „Helden der Straße“ zu tun. Kurzum, Ajaccio lohnt sich als Stadt nicht so besonders, aber ich hatte keine Langeweile und am nächsten Tag war das Problem gelöst, die Ersatzteile kamen pünktlich, ich war um eine Erfahrung reicher und um ein paar Euros ärmer.

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Der Mechaniker beim Einbau des neuen Gaszuges in die Konsole.

 

Nun sollte es also wieder unbeschwert losgehen Richtung Nord-Sardinien. Wenn da nicht noch das ungelöste Problem der Ankerkette wäre. Nachdem die Bordfrauen eine schöne Bucht gleich nach Ajaccio ausgemacht hatten, fiel auch schon der Anker am Dienstag gegen 15 Uhr. Ein nicht vorhergesagtes Gewitter zwang uns dann aber doch gegen 17 Uhr schon wieder zur Abfahrt, natürlich mit den beschriebenen Schwierigkeiten beim Ankeraufholen. Ein paar Buchten weiter versüßte uns diese wunderschöne Location, die „Anse d’Orzo“, unseren Aufenthalt in Korsika und lies uns unsere Probleme mit der Ankerwinch klein erscheinen. Kristallklares Wasser, türkisblau die Farbe, viele schöne Unterwasserimpressionen und ein traumhafter Sonnenuntergang. Seglerherz, was willst Du mehr….!

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Ein Schwesterschiff. Perfekt eingeparkt.

Unterwegs zur schönen „Anse de Roccapina“, machten wir halt in einer Bucht umringt von Steinhaufen. Vor Anker auch die Talitha, eine 80 Meter Yacht, gebaut von der Krupp Germaniawerft als „Reveller“ für den damaligen Chef der Packard Motor Company Russel Algar. 1992 kaufte sie der Ölmulti Paul Getty, der sie nach dem Namen seiner Frau „Talitha G“ benannte und überholen ließ. 2008 wurde das schöne Schiff von Blohm & Voss restauriert. Sie gehört heute noch zu den Top 200 Yachten dieser Welt, aktuell Platz 98.

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Ein Traumdampfer, die 80 mtr. lange Talitha.

Nach einem Badeaufenthalt in dieser irren Kulisse verließen wir diesen Platz zur „Anse de Roccapina“. Türkisblaues Wasser umringt von einem Genueser-Turm und einem Löwenkopf. Zum Frühstück schauten auch noch einige Rochen vorbei und achteten darauf, dass wir den Platz ordentlich verlassen.

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Einer der vielen Rochen, die uns an diesem Morgen besuchten.

Nun ist es soweit, die Überfahrt durch die Straße von Bonifazio. Da kann es schon mal rau werden, wie wir es mehrmals aus eigner Erfahrung erlebt haben. Diesmal jedoch, trieb uns ein laues Lüftchen, mit Unterstützung der beiden Volvo Penta Motoren, durch diese viel befahrene Meerenge zu den Asinara Inseln. Dort viel der Anker gegen 19 Uhr vor der Isola Piana. Jetzt ist der Koch am Zug, denn es gibt Spaghetti Gorgonzola. Ein Gewitter, bzw. ein nahes Wetterleuchten gibt sein Gastspiel, der Wind dreht, brist etwas auf und ich versuche gegen 02:30 diesen Bericht hoch zu laden. Es bleibt aber noch spannend, eine Yacht versucht zu dieser späten (oder frühen…)  Stunde seinen Anker direkt neben uns zu setzten. Heute Nacht bleibt nichts aus…..aber alles ist gut!
Unser nächstes Ziel ist Alghero, wo wir spätestens am Sonntagfrüh sein wollen, um unsere Kinder an Bord zu empfangen. Viele Grüße von der Passat II, wo auch immer Ihr seid!


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