Aufbruch nach Lanzarote

Am Sonntag den 30. Oktober 2018 um 14:20 Uhr (MEZ) verlassen wir Tanger. Es waren schöne und sehr interessante Tage, aber wir wollen weiter nach Lanzarote.

PASSAT in Tanger
Die PASSAT II an ihrem Liegeplatz in Tanger.

Wir schätzen, für die knapp 660 Seemeilen lange Strecke, rund 5 Tage ununterbrochen auf See zu sein. Bei 8-12 Knoten Wind aus Ost laufen wir aus und setzen, nach dem Abstecken des Kurses, unseren Parasailor. Quasi ein Spinnacker mit Flügel in der oberen Mitte. Und dann große Verwunderung…..ein Riss über zwei Bahnen…woher? Keiner weiß woher dieser Schaden stammt. Egal, Spinacker-Tape aus der Reparaturkiste, ein Brett unterlegen und nach einer knappen Stunde war das Loch, zumindest provisorisch, repariert. Bis zu den Kanaren sollte es reichen.
Es liegt auffällig viel Plastik im Meer und es dauerte eine 1/2 Stunde bis der rechte Propeller sich in einer Plastikplane verfängt. Theresa fackelte nicht lange und sprang mit einem scharfen Tauchermesser in die offene See. Nach 10 Minuten und mehreren Tauchgängen war der Propeller wieder befreit.

Theresa Propeller befreit
Der Propeller ist befreit, letzte Fetzen wurden mit dem Tauchermesser entfernt.

Die Belohnung folgte zugleich. Wir segelten mit dem Parasailor in einen unbeschreiblich schönen Abend hinein. Satte 7 Knoten Fahrt durchs Wasser Richtung untergehende Sonne, Seglerherz was willst Du mehr.

Atlantik
Der Atlantik empfängt uns sehr freundlich…(-:

In der Nacht nahm der Wind ab und gegen drei Uhr starteten wir eine der beiden Maschinen um voran zu kommen.

Tag 2
Mehrere erfolglose Versuche einen Fisch zu fangen…….immer noch kein Wind! Aber die Versorgungslage ist exzellent und deshalb ist die Stimmung spitze. Gegen Mittag beginnt eine leichte Brise, wir probieren verschiedene Segel und Einstellungen. Der Parasailor war am Kopf stark verdreht – das hatte uns etwas Arbeit gebracht. Wohl noch nicht genug!

Irgendwie schien bei Seegang die UKW Antenne im Mast zu wackeln? Tobias, unser Lightweight, musste in den Klettergurt und ab in den Mast.
Zum Glück war nur die Befestigungsschraube lose, kein großes Problem.

Tobi im Mast
Tobias muss bei voller Fahrt in den Mast.

Dann ging ein wunderschöner neongrüner Fisch mit blauen Punkten und großen Rückenflossen an die Angel und das aller Beste, der Fisch war nicht allein. Sein Partner ist bis ans Schiff mit geschwommen. Es war nicht einfach das Prachtexemplar an Bord zu bekommen. Malte hat mit beiden Händen den Fisch gepackt und ich hab ihn dann abstechen müssen. Es war ein Blutbad an Deck!

 

 


Ok, nachdem er scheinbar Tod war, hab ich ihn ausgenommen und gleich filetiert. Da blieb nur noch das Gerippe über. Gezappelt hat er immer noch, als die eine Hälfte schon in der Küche war. Wir haben die Filets in kleine Stücke zerteilt, mit Salz und Pfeffer gewürzt, in Mehl gewendet und in Butter gebraten. War super lecker, sogar Tobi hat ihn probiert. Schmeckt wie Huhn, da war nix von Fischgeschmack. Ein schlechtes Gewissen hatte ich schon….so ein schönes Pärchen! Es wurde eine ruhige Nacht auf Dienstag, ein wenig Schiffsverkehr, ein toller Sternenhimmel, sonst nichts.

Tag 3
Gegen Mittag kommt prima Segelwind auf, der Parasailor schiebt uns mit 7-10 Knoten durchs Wasser, die Dünnung wird größer, kommt aber immer noch etwas von der Seite. Eine Delphinschule mit Jungtieren besucht uns, bleibt einige Zeit und schwimmt dann weiter. Kurz darauf kreuzen ein paar Wale unseren Kurs. Gegen Abend brist der Wind auf und wir entschließen uns aus Sicherheitsgründen den Parasailor gegen die Genua zu tauschen. Wir kochen auf, es gibt Fischcurry mit leckeren Beilagen und wir rauschen in die Nacht hinein.

Untergehende Sonne
Die Wellen werden höher….

Der Seegang wird stärker, der Wind etwas schwächer und gegen Morgen schiebt uns die Genua etwas zu langsam nach Süden. Es wurde dadurch etwas ruppig und die Wellen schlagen laut zwischen die Rümpfe. Die Sonne geht um 07:40 Uhr auf – es sind keine Wolke zu sehen. Wir setzen wieder den Parasailor, schauen Delphinen zu und segeln unserem Ziel entgegen. Lanzarote! Um 11:00 Bordzeit (MEZ) holen wir uns über das Iridium-Satellitentelefon unseren Wetterbericht ab. Das funktioniert recht gut und wir erhalten jeden Tag die Wetterdaten im GRIB-Format von WetterWelt. Exakt auf unser Seegebiet zugeschnitten. Vorhersage heute: Es bleibt schön und die kommenden Tage bringen uns zwischen 10 und 20 Knoten achterlichen Wind. Genau dass, was wir brauchen………

GRIB Daten Wetterwelt
GIB Daten von WetterWelt in Seaman Pro eingesetzt von Donnerstag 00:00 Uhr (UTC).

Tag 4
Mittwochnachmittag gegen 16:00 Uhr bergen wir den Parasailor um ihn erneut zu reparieren. Ein einzelner Faden hat sich mit anderen zu einem kleinen Wuling entwickelt und droht das geflickte Loch wieder aufzureißen. Diesmal greifen wir zu Nadel und Faden und nach einer Stunde wird er wieder gesetzt.

Segelrepartur
Nadel & Faden kommen zum Einsatz um den Parasailor zu reparieren.

Der Wind frischt auf und der Speedo zeigt permanent 8 Knoten oder mehr über Grund. Wir haben ein sicheres Gefühl mit dem Parasailor. Er steht sehr ruhig und fällt so gut wie nie ein. Wir beschließen, ihn über Nacht stehen zu lassen. Dann haben wir vielleicht auch die Chance am nächsten Tag gegen Abend auf Lanzarote anzukommen und noch bei Dämmerung den Anker in den sandigen Grund zu schmeißen. Doch daraus wurde nichts. Um Mitternacht nimmt der Wind weiter zu und bei 22,5 Knoten Wind entscheiden wir ihn zu bergen. Wir haben bedenken, in einem Surf von den großen Wellenbergen die Kontrolle zu verlieren und einen Sonnenschuss zu riskieren. Das Bergemanöver klappt wie am Schnürchen, wir setzen die Genua und gehen alle bis auf Alex, der Wache hat, wieder beruhigt schlafen. Wir erwarten am späten Nachmittag das erste Mal seit 4 Tagen wieder Land zu sehen. Wo wir den Landfall planen, hängt noch vom Wetterbericht ab…….

Tag 5
Ein Tintenfisch hat sich bei uns breitgemacht. Wie er auf das Boot gekommen ist, wissen wir nicht. Es ist ihm auch nicht gut bekommen und er verstarb noch an Ort und Stelle.

Tintenisch
Toter Tintenfisch an Deck.

Nach der Seebestattung frühstückten wir ausgiebig und danach haben wir die Wetterdaten abgerufen. Demnach konnten wir das Risiko eingehen, nachts von Osten aus in die enge Straße zwischen der Isla Graciosa und Lanzarote einzulaufen. Zunächst wollen wir in die kleine Marina spähen, ob ein freier Platz verfügbar ist. Alternativ haben wir noch einen schönen Ankerplatz als Alternative. Gegen Abend wurde der Wind schwächer und es sollte 04:00 Uhr werden bis wir vor der Einfahrt des Hafens standen. Nach mehreren erfolglosen Versuchen irgendwie irgendwo festzumachen, klappte es schlussendlich um 05:00 Uhr am letzten Steg. Ab in die Falle, wir waren jetzt alle sehr müde. Die nächtliche Ansteuerung steckte uns irgendwie noch in den Knochen. Ja, aufregend war es! Vor allem auch, weil ein Leuchtfeuer an einem Kliff ausgefallen war. Ein Aufreger ja, aber kein großes Problem dank GPS.

Caleta del Sebo
Angekommen!

Der Hafenmeister im überfüllten Hafen war freundlich und lies uns bleiben. Die nächsten Tage wollen wir etwas chillen, tauchen gehen und über Lanzarote, Fuerteventura nach Las Palmas auf Gran Canaria segeln. Am 14. Oktober müssen wir spätestens dort sein. Auf Stephan, Alex und Malte wartet der Flieger, sie müssen zurück. Wir dürfen bleiben………
Viele Grüße von der PASSAT II


3 thoughts on “Aufbruch nach Lanzarote

  1. Hallo Sailors, liest sich für mich Landratte echt spannend. Weiter viel Spass und immer 2 Hand breit Wasser unter dem Kiel

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